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Finanzplanung für frisch Verheiratete: Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist
Die Hochzeit liegt hinter euch, die Flitterwochen waren traumhaft, und jetzt beginnt euer gemeinsames Leben als Ehepaar. Zwischen dem Auspacken der Hochzeitsgeschenke und dem Ankommen im Alltag gibt es ein Thema, das viele Paare gerne aufschieben: die Finanzen.
Ich verstehe das. Nach all den Emotionen, der Planung und dem Stress der Hochzeit wollt ihr erst einmal durchatmen. Aber glaubt mir: Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um über Geld zu sprechen und eure gemeinsame finanzielle Zukunft zu gestalten.
Ich bin Silke Otte, freie Rednerin und Sängerin aus Zörbig. In meinen Trauungen spreche ich oft über das, was eine Ehe ausmacht: Liebe, Vertrauen, Zusammenhalt – und ja, auch gemeinsame Ziele. Und zu diesen Zielen gehört auch die finanzielle Sicherheit.
Studien zeigen, dass Geldprobleme einer der häufigsten Streitgründe in Beziehungen sind. Aber das muss nicht sein. Wenn ihr von Anfang an offen kommuniziert, klare Strukturen schafft und gemeinsam plant, kann das Thema Finanzen eure Beziehung sogar stärken.
In diesem Artikel zeige ich euch, wie ihr als frisch Verheiratete eure Finanzen organisiert, Schulden abbaut, spart und einen soliden Grundstein für eure gemeinsame Zukunft legt. Denn eure Liebe verdient eine sichere Basis – und die beginnt mit kluger Finanzplanung.
Das offene Gespräch: Über Geld reden lernen
Bevor ihr Konten eröffnet oder Budgets erstellt, braucht ihr eines: ein ehrliches Gespräch über Geld. Für viele Paare ist das schwieriger als es klingt.
Warum fällt es uns so schwer?
Geld ist in unserer Gesellschaft oft ein Tabuthema. Wir sprechen über Politik, Religion, sogar über Sex – aber über das Gehalt oder Schulden? Das fühlt sich unangenehm an. Vielleicht habt ihr verschiedene Erfahrungen mit Geld gemacht, unterschiedliche Werte oder sogar Ängste, die ihr noch nie ausgesprochen habt.
Die wichtigsten Fragen, die ihr euch stellen solltet:
- Wie war das Verhältnis zu Geld in euren Herkunftsfamilien?
- Seid ihr eher Sparer oder Genießer?
- Welche finanziellen Ziele habt ihr für die nächsten 5, 10, 20 Jahre?
- Gibt es Schulden, von denen der andere nichts weiß?
- Was bedeutet finanzielle Sicherheit für euch?
- Wie viel persönliches Geld braucht jeder von euch?
Tipps für das Geldgespräch:
- Wählt einen ruhigen Moment – nicht zwischen Tür und Angel oder nach einem stressigen Tag
- Seid ehrlich – auch wenn es unangenehm ist. Geheimnisse bei Finanzen vergiften Beziehungen
- Urteilt nicht – jeder bringt seine Geschichte mit. Schulden oder Fehler der Vergangenheit sind kein Grund für Vorwürfe
- Hört aktiv zu – versteht die Perspektive eures Partners, auch wenn sie anders ist als eure
- Plant regelmäßige Geld-Dates – einmal im Monat 30 Minuten über Finanzen sprechen hält euch auf Kurs
Das Ziel: Ein gemeinsames Verständnis davon, wie ihr mit Geld umgehen wollt. Nicht einer bestimmt, beide gestalten. Eure Finanzen sind Teamarbeit.
Bestandsaufnahme: Wo steht ihr finanziell?
Bevor ihr planen könnt, müsst ihr wissen, wo ihr steht. Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme.
Schritt 1: Einkommen erfassen
Listet alle Einkommensquellen auf:
- Nettogehälter
- Nebeneinkünfte
- Kindergeld (falls vorhanden)
- Mieteinnahmen
- Sonstige regelmäßige Einnahmen
Schritt 2: Vermögen zusammentragen
Was besitzt ihr zusammen?
- Guthaben auf Girokonten
- Sparkonten und Tagesgeld
- Wertpapiere (Aktien, ETFs, Fonds)
- Bausparverträge
- Immobilien
- Wertgegenstände (Auto, Schmuck)
- Hochzeitsgeschenke (Bargeld)
Schritt 3: Schulden offenlegen
Das ist oft der unangenehme Teil, aber essentiell für eure Planung:
- Konsumkredite
- Studienkredite / BAföG-Schulden
- Autokredite
- Kreditkartenschulden
- Dispokredite
- Private Schulden bei Familie/Freunden
- Hypotheken
Schritt 4: Fixkosten auflisten
Was geht jeden Monat raus?
- Miete oder Hypothek
- Nebenkosten (Strom, Gas, Wasser)
- Versicherungen
- Handy und Internet
- Streaming-Dienste
- Mitgliedschaften (Fitnessstudio, Vereine)
- Kreditraten
- Auto (Leasing, Versicherung, Steuer)
Schritt 5: Variable Ausgaben einschätzen
- Lebensmittel
- Kleidung
- Freizeit und Hobbys
- Restaurant und Ausgehen
- Urlaub
- Geschenke
Das Ergebnis: Ein klares Bild eurer finanziellen Situation. Ihr wisst jetzt, wie viel Geld reinkommt, wie viel rausgeht und was übrig bleibt. Das ist die Grundlage für alles Weitere.
Kontomodelle für Ehepaare: Gemeinsam, getrennt oder hybrid?
Eine der ersten praktischen Entscheidungen: Wie organisiert ihr eure Konten? Es gibt verschiedene Modelle, und keines ist per se richtig oder falsch.
Modell 1: Das Gemeinschaftskonto
So funktioniert es: Alle Einnahmen fließen auf ein gemeinsames Konto, von dem alle Ausgaben bezahlt werden.
Vorteile:
- Maximale Transparenz
- Einfache Verwaltung
- Symbolisiert Zusammengehörigkeit
Nachteile:
- Wenig finanzielle Unabhängigkeit
- Jede Ausgabe ist sichtbar
- Kann bei unterschiedlichen Ausgabegewohnheiten zu Konflikten führen
Geeignet für: Paare mit ähnlichem Einkommen und Ausgabeverhalten, die volle Transparenz möchten.
Modell 2: Getrennte Konten
So funktioniert es: Jeder behält sein eigenes Konto und zahlt seinen Anteil an den gemeinsamen Kosten.
Vorteile:
- Maximale Unabhängigkeit
- Keine Diskussionen über persönliche Ausgaben
- Jeder behält die Kontrolle
Nachteile:
- Aufwändiger in der Verwaltung
- Kann bei ungleichem Einkommen unfair sein
- Weniger Gefühl von „Gemeinsam“
Geeignet für: Paare, die Wert auf Unabhängigkeit legen, oder in Patchwork-Situationen mit komplexen Finanzen.
Modell 3: Das Drei-Konten-Modell (Hybrid)
So funktioniert es: Jeder hat ein eigenes Konto plus ein gemeinsames Konto für geteilte Ausgaben.
Vorteile:
- Kombination aus Gemeinschaft und Unabhängigkeit
- Klare Trennung: „unser Geld“ und „mein Geld“
- Flexibel anpassbar
Nachteile:
- Mehr Konten zu verwalten
- Erfordert Abstimmung über Beiträge zum Gemeinschaftskonto
Geeignet für: Die meisten Paare – es bietet die beste Balance zwischen Zusammengehörigkeit und persönlicher Freiheit.
So könnte das Drei-Konten-Modell aussehen:
| Konto | Zweck | Einzahlung |
|---|---|---|
| Gemeinschaftskonto | Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Versicherungen, Urlaub | Beide zahlen prozentual zum Einkommen ein |
| Eigenes Konto Partner A | Persönliche Ausgaben, Hobbys, Geschenke | Restliches Gehalt nach Beitrag |
| Eigenes Konto Partner B | Persönliche Ausgaben, Hobbys, Geschenke | Restliches Gehalt nach Beitrag |
Tipp: Zahlt prozentual zum Einkommen ins Gemeinschaftskonto ein, nicht 50/50. Wenn einer 4.000 € verdient und der andere 2.000 €, wäre 50/50 unfair. Stattdessen zahlt der Besserverdienende z.B. 60% und der andere 40% der gemeinsamen Kosten.
Das Haushaltsbudget: Gemeinsame Ausgaben im Griff
Ein Budget klingt nach Einschränkung, ist aber eigentlich Freiheit. Ihr wisst genau, was ihr ausgeben könnt, und habt keine bösen Überraschungen am Monatsende.
Die 50-30-20-Regel als Orientierung:
Eine bewährte Faustregel für die Budgetverteilung:
- 50% für Fixkosten: Miete, Versicherungen, Kredite, Nebenkosten
- 30% für Lifestyle: Essen gehen, Hobbys, Shopping, Unterhaltung
- 20% für Sparen und Schuldenabbau: Notgroschen, Altersvorsorge, Kredittilgung
Beispiel bei 4.000 € Haushaltsnettoeinkommen:
| Kategorie | Anteil | Betrag |
|---|---|---|
| Fixkosten | 50% | 2.000 € |
| Lifestyle | 30% | 1.200 € |
| Sparen/Schulden | 20% | 800 € |
Budgetierung in der Praxis:
- Fixkosten zuerst: Diese sind nicht verhandelbar, also plant sie fest ein
- Sparbetrag automatisieren: Richtet einen Dauerauftrag ein, der am Monatsanfang aufs Sparkonto geht
- Restliches Geld verteilen: Was übrig ist, teilt ihr auf Lifestyle-Kategorien auf
- Puffer einplanen: Unerwartete Ausgaben kommen immer – plant 5-10% Puffer ein
Tools und Apps für die Budgetierung:
- YNAB (You Need A Budget): Beliebte App für detaillierte Budgetplanung
- Finanzguru: Deutsche App, die Konten analysiert und Sparpotenziale zeigt
- Excel/Google Sheets: Klassisch, aber effektiv – volle Kontrolle
- Haushaltsbuch (analog): Für alle, die es handschriftlich mögen
Regelmäßige Budget-Reviews:
Setzt euch einmal im Monat zusammen und schaut:
- Haben wir uns ans Budget gehalten?
- Wo haben wir mehr ausgegeben als geplant?
- Müssen wir etwas anpassen?
- Sind wir auf Kurs mit unseren Sparzielen?
Diese „Geld-Dates“ müssen nicht lang sein. 30 Minuten reichen, um den Überblick zu behalten.
Schulden abbauen: Gemeinsam schneller schuldenfrei
Wenn einer oder beide von euch Schulden mitbringen, ist deren Abbau eine gemeinsame Priorität. Schulden kosten Zinsen, belasten psychisch und blockieren eure finanziellen Möglichkeiten.
Schulden priorisieren:
Nicht alle Schulden sind gleich. Priorisiert nach Zinssatz:
- Dispokredite (10-15% Zinsen): Sofort tilgen! Das ist der teuerste Kredit überhaupt.
- Kreditkartenschulden (10-20% Zinsen): Direkt danach angehen.
- Konsumkredite (4-8% Zinsen): Nach und nach abbauen.
- Studienkredite / BAföG (0-2% Zinsen): Niedrige Priorität, aber nicht vergessen.
- Hypotheken (1-4% Zinsen): Langfristig, normale Tilgung reicht meist.
Strategien zum Schuldenabbau:
Die Schneeball-Methode: Zahlt zuerst die kleinste Schuld ab, dann die nächstgrößere. Psychologischer Vorteil: Schnelle Erfolgserlebnisse motivieren.
Die Lawinen-Methode: Zahlt zuerst die Schuld mit dem höchsten Zinssatz ab. Finanzieller Vorteil: Ihr spart am meisten Zinsen.
Beide Methoden funktionieren – wählt die, die zu eurer Persönlichkeit passt.
Praktische Schritte:
- Überblick verschaffen: Listet alle Schulden mit Betrag, Zinssatz und Mindestrate auf
- Zusätzliche Tilgung: Alles über die Mindestrate zahlt die Schuld schneller ab
- Sondertilgungen nutzen: Viele Kredite erlauben jährliche Sonderzahlungen
- Umschulden prüfen: Manchmal lohnt sich ein günstigerer Kredit, um teure Schulden abzulösen
- Nebeneinkünfte für Schulden: Bonuszahlungen, Steuerrückerstattungen oder Nebenjobs direkt zur Tilgung nutzen
Gemeinsam stärker:
Als Ehepaar habt ihr einen Vorteil: Ihr könnt euch gegenseitig motivieren. Feiert Meilensteine, wenn eine Schuld abbezahlt ist. Unterstützt euch, wenn es schwer wird. Schuldenabbau ist ein Marathon, kein Sprint.
Notgroschen aufbauen: Sicherheit für unerwartete Situationen
Bevor ihr an größere Sparziele denkt, braucht ihr einen Notgroschen. Das ist Geld, das ihr für Unvorhergesehenes zurücklegt: Autoreparatur, kaputte Waschmaschine, plötzliche Arbeitslosigkeit.
Wie viel sollte der Notgroschen sein?
Die Faustregel: 3-6 Monatsausgaben als Reserve. Bei 3.000 € monatlichen Ausgaben wären das 9.000-18.000 €.
Das klingt viel? Keine Sorge, ihr müsst das nicht sofort haben. Fangt klein an:
- Erstes Ziel: 1.000 € für kleine Notfälle
- Zweites Ziel: 1 Monatsausgabe
- Langfristig: 3-6 Monatsausgaben
Wo den Notgroschen aufbewahren?
- Tagesgeldkonto: Sofort verfügbar, etwas Zinsen, getrennt vom Girokonto
- Nicht auf dem Girokonto: Zu groß ist die Versuchung, es auszugeben
- Nicht in Aktien/ETFs: Zu riskant, der Wert kann fallen, wenn ihr das Geld braucht
Wie den Notgroschen aufbauen?
- Automatischer Dauerauftrag: Am Monatsanfang 50-200 € aufs Tagesgeldkonto
- Windfall-Gelder nutzen: Steuerrückerstattung, Boni, Geldgeschenke direkt zurücklegen
- Sparchallenge: Z.B. die 52-Wochen-Challenge (Woche 1 = 1 €, Woche 2 = 2 € usw.)
Wichtig: Der Notgroschen ist nur für echte Notfälle. Ein neues Handy oder der Sommerurlaub sind keine Notfälle. Definiert gemeinsam, was als Notfall gilt.
Sparziele definieren: Träume gemeinsam verwirklichen
Wenn Schulden abbezahlt und Notgroschen aufgebaut sind, könnt ihr für eure Träume sparen. Gemeinsame Ziele zu haben verbindet und motiviert.
Typische Sparziele für junge Ehepaare:
- Kurzfristig (1-2 Jahre): Urlaub, neues Auto, Möbel
- Mittelfristig (3-7 Jahre): Eigenkapital für Immobilie, Hochzeitsreise der Träume
- Langfristig (10+ Jahre): Altersvorsorge, Kinder-Ausbildung, finanzielle Freiheit
SMART-Ziele setzen:
Vage Ziele wie „Wir wollen ein Haus“ funktionieren nicht. Macht sie konkret:
- Spezifisch: Was genau wollt ihr? (z.B. „50.000 € Eigenkapital für ein Haus“)
- Messbar: Wie messt ihr den Fortschritt? (z.B. monatlicher Kontostand)
- Attraktiv: Warum ist es euch wichtig? (Motivation!)
- Realistisch: Ist es erreichbar? (z.B. 800 € monatlich sparen = 50.000 € in 5 Jahren)
- Terminiert: Bis wann? (z.B. „In 5 Jahren“)
Sparziele visualisieren:
Macht eure Ziele sichtbar:
- Spar-Thermometer: Malt ein Thermometer und füllt es, wenn ihr dem Ziel näher kommt
- Vision Board: Bilder eurer Träume (Haus, Reiseziel) an der Wand
- Fortschritts-Tabelle: Excel oder App, die zeigt, wie weit ihr seid
Separate Konten für separate Ziele:
Eröffnet für große Ziele eigene Tagesgeld- oder Sparkonten. So seht ihr genau, wie viel ihr für welches Ziel gespart habt, und kommt nicht in Versuchung, das Urlaubsgeld für die Autoreparatur zu nehmen.
Steuervorteile für Ehepaare nutzen
Die Ehe bringt nicht nur Liebe, sondern auch steuerliche Vorteile. Nutzt sie!
Steuerklassenwechsel:
Als Verheiratete könnt ihr eure Steuerklassen wählen:
| Kombination | Geeignet für |
|---|---|
| IV / IV | Beide verdienen ähnlich viel |
| III / V | Einer verdient deutlich mehr (Besserverdiener nimmt III) |
| IV / IV mit Faktor | Wie III/V, aber genauer berechnet |
Wichtig: Die Steuerklasse beeinflusst nur, wie viel monatlich abgezogen wird. Die endgültige Steuerlast wird in der Steuererklärung berechnet. Wählt III/V nicht, um „mehr“ zu haben – ihr zahlt es bei der Steuererklärung nach.
Ehegattensplitting:
Der größte Vorteil für Ehepaare mit unterschiedlichem Einkommen. Beim Splitting werden beide Einkommen addiert, halbiert und dann versteuert. Das senkt die Steuerlast, wenn einer deutlich mehr verdient.
Beispiel:
- Partner A verdient 60.000 €, Partner B verdient 20.000 €
- Ohne Splitting: Steuer auf 60.000 + Steuer auf 20.000 = höhere Gesamtsteuer
- Mit Splitting: Steuer auf 2x 40.000 = niedrigere Gesamtsteuer
Gemeinsame Steuererklärung:
Als Ehepaar könnt ihr eine gemeinsame Steuererklärung (Zusammenveranlagung) abgeben. Das ist in den meisten Fällen günstiger. Nutzt Steuersoftware wie WISO oder Elster, um das Maximum herauszuholen.
Weitere Steuervorteile:
- Übertragung von Freibeträgen: Nicht genutzte Pauschbeträge können übertragen werden
- Haushaltsnahe Dienstleistungen: Reinigungskraft, Handwerker – bis zu 20% absetzbar
- Sonderausgaben: Spenden, Kirchensteuer, Vorsorgeaufwendungen
Tipp: Gebt im ersten Ehejahr unbedingt eine Steuererklärung ab – oft gibt es eine Erstattung, auch rückwirkend ab Hochzeitsdatum.
Versicherungen nach der Hochzeit: Was ihr wirklich braucht
Die Hochzeit ist ein guter Anlass, eure Versicherungen zu überprüfen. Einiges ändert sich, anderes ist doppelt vorhanden.
Versicherungen zusammenlegen:
Viele Versicherungen können auf einen Vertrag zusammengelegt werden:
- Haftpflichtversicherung: Ein Vertrag reicht für Ehepaare. Doppelte Policen kündigen!
- Hausratversicherung: Zusammenlegen und Versicherungssumme anpassen
- Rechtsschutzversicherung: Oft günstiger als zwei Einzelverträge
Wirklich wichtige Versicherungen:
| Versicherung | Priorität | Warum |
|---|---|---|
| Privathaftpflicht | Muss | Schützt vor existenzbedrohenden Schadensersatzansprüchen |
| Berufsunfähigkeit | Muss | Sichert das Einkommen bei Krankheit ab |
| Krankenversicherung | Muss | Gesetzlich Pflicht, privat optional |
| Risikolebensversicherung | Sollte | Wichtig bei Kindern oder Immobilienkredit |
| Hausratversicherung | Sollte | Schützt euer gemeinsames Hab und Gut |
Oft überflüssige Versicherungen:
- Handyversicherung: Zu teuer für den Nutzen
- Reisegepäckversicherung: Meist über Hausrat abgedeckt
- Sterbegeldversicherung: Besser selbst ansparen
- Glasbruchversicherung: Lohnt sich selten
Begünstigte aktualisieren:
Nach der Hochzeit solltet ihr bei bestehenden Versicherungen (z.B. Lebensversicherung) den Ehepartner als Begünstigten eintragen.
Altersvorsorge zu zweit: Früh beginnen lohnt sich
Die Rente ist weit weg? Stimmt. Aber je früher ihr anfangt, desto besser. Der Zinseszins-Effekt macht aus kleinen Beträgen über Jahrzehnte große Summen.
Die drei Säulen der Altersvorsorge:
- Gesetzliche Rente: Die Basis, reicht aber meist nicht
- Betriebliche Altersvorsorge: Vom Arbeitgeber gefördert, nutzen!
- Private Vorsorge: ETF-Sparpläne, Riester, Rürup etc.
Betriebliche Altersvorsorge:
Wenn euer Arbeitgeber eine bAV anbietet – nutzt sie. Vorteile:
- Beiträge werden vom Bruttogehalt abgezogen (Steuerersparnis)
- Oft Arbeitgeberzuschuss
- Automatisches Sparen
Private Altersvorsorge mit ETFs:
Die beliebteste und oft günstigste Form der privaten Vorsorge:
- Was sind ETFs? Exchange Traded Funds – Fonds, die einen Index nachbilden (z.B. MSCI World)
- Warum ETFs? Günstige Gebühren, breite Streuung, langfristig gute Rendite
- Wie anfangen? Depot eröffnen (z.B. bei Trade Republic, ING, Scalable), Sparplan einrichten
Beispielrechnung:
- 200 € monatlich in einen ETF-Sparplan
- 7% durchschnittliche Rendite pro Jahr
- Nach 30 Jahren: ca. 243.000 € (eingezahlt: 72.000 €)
Der Zinseszins macht’s möglich!
Riester-Rente:
Für Angestellte interessant durch staatliche Zulagen:
- Grundzulage: 175 € pro Jahr und Person
- Kinderzulage: 300 € pro Kind und Jahr
Achtung: Riester hat auch Nachteile (Kosten, eingeschränkte Verfügbarkeit). Informiert euch gut, bevor ihr abschließt.
Als Paar vorsorgen:
- Beide sollten vorsorgen – auch der weniger verdienende Partner
- Rentenansprüche im Blick: Bei Scheidung werden Ansprüche geteilt (Versorgungsausgleich)
- Zusammen planen: Stimmt ab, wie viel jeder investiert, um als Paar gut aufgestellt zu sein
Immobilie und Eigenheim: Der Traum vom gemeinsamen Zuhause
Für viele Paare ist das eigene Haus oder die eigene Wohnung ein großes Ziel. Aber eine Immobilie ist eine Entscheidung fürs Leben – plant sorgfältig.
Mieten vs. Kaufen:
Kaufen ist nicht automatisch besser. Überlegt:
- Wie lange wollt ihr am Ort bleiben? Unter 10 Jahren lohnt sich Kaufen selten
- Wie sind die Preise in eurer Region? In manchen Städten ist Mieten günstiger
- Wie flexibel wollt ihr sein? Eigentum bindet
Wie viel Eigenkapital braucht ihr?
Faustregel: Mindestens 20% des Kaufpreises plus Nebenkosten (Notar, Grunderwerbsteuer, Makler – ca. 10-15%).
Beispiel bei 300.000 € Kaufpreis:
- Eigenkapital: 60.000 € (20%)
- Nebenkosten: ca. 35.000 € (12%)
- Gesamt: ca. 95.000 €
Finanzierungstipps:
- Lange Zinsbindung: Bei niedrigen Zinsen mindestens 15-20 Jahre festschreiben
- Hohe Tilgung: Mindestens 2%, besser 3% – so seid ihr schneller schuldenfrei
- Sondertilgungsrecht: Achtet auf die Möglichkeit, jährlich extra zu tilgen
- Förderprogramme: KfW-Kredite, Wohn-Riester, regionale Förderprogramme prüfen
Nicht zu knapp kalkulieren:
Eine Immobilie bringt laufende Kosten:
- Grundsteuer
- Versicherungen
- Instandhaltungsrücklage (1% des Immobilienwerts pro Jahr)
- Hausgeld bei Eigentumswohnungen
Plant genug Puffer ein, damit ihr nicht hauspoor werdet – also das Haus habt, aber kein Geld für alles andere.
Finanzielle Vorbereitung auf Familienzuwachs
Wenn Kinder in eurer Zukunftsplanung vorkommen, lohnt es sich, frühzeitig finanziell zu planen.
Was ändert sich mit einem Kind?
- Einkommensverlust: Während Elternzeit verdient (mindestens) einer weniger
- Neue Ausgaben: Erstausstattung, Windeln, Kleidung, Kinderbetreuung
- Mehr Platzbedarf: Eventuell größere Wohnung oder Haus
Elterngeld verstehen:
- Basiselterngeld: 67% des Nettoeinkommens, max. 1.800 €, für 12 Monate (+2 Partnermonate)
- ElterngeldPlus: Halber Betrag, aber doppelte Bezugsdauer
- Partnerschaftsbonus: Zusätzliche Monate bei partnerschaftlicher Aufteilung
Tipp: Der Elterngeld-Berechnung liegt das Einkommen der 12 Monate vor der Geburt zugrunde. Plant entsprechend!
Vorbereitung vor der Schwangerschaft:
- Notgroschen aufstocken: Mindestens 6 Monatsausgaben für die Elternzeit
- Schulden abbauen: Je weniger Verpflichtungen, desto entspannter
- Versicherungen prüfen: Familienversicherung bei der Krankenkasse möglich?
- Steuerklassen optimieren: Wechsel zu III für den Elternzeit-nehmenden Partner kann Elterngeld erhöhen
Kosten eines Kindes:
Studien schätzen: Ein Kind kostet bis zum 18. Lebensjahr ca. 150.000-200.000 €. Das klingt viel, verteilt sich aber auf viele Jahre. Mit guter Planung ist es machbar.
Häufige Geldfehler frisch Verheirateter vermeiden
Zum Schluss: Die typischen Fehler, die ihr von Anfang an vermeiden könnt.
Fehler 1: Nicht über Geld reden
Geld-Tabus führen zu Missverständnissen und Streit. Kommuniziert offen und regelmäßig.
Fehler 2: Schulden ignorieren
Schulden verschwinden nicht von allein. Je länger ihr wartet, desto mehr Zinsen zahlt ihr. Macht einen Plan und fangt an.
Fehler 3: Keinen Notgroschen haben
Ohne Reserve wird jede unerwartete Ausgabe zur Krise. Baut ihn auf, bevor ihr für andere Ziele spart.
Fehler 4: Lifestyle-Inflation
Nach der Hochzeit, mit vielleicht zwei Gehältern, fühlt ihr euch reich. Die Gefahr: Ihr gebt mehr aus, weil ihr es „könnt“. Haltet die Ausgaben im Zaum und spart den Überschuss.
Fehler 5: Versicherungen vernachlässigen
Ein Unfall, eine Krankheit, und plötzlich fehlt das Einkommen. Berufsunfähigkeitsversicherung ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit.
Fehler 6: Altersvorsorge aufschieben
„Dafür haben wir später noch Zeit“ – ein teurer Irrtum. Je früher ihr anfangt, desto weniger müsst ihr monatlich zurücklegen.
Fehler 7: Alles gemeinsam entscheiden müssen
Auch als Ehepaar braucht jeder etwas finanziellen Freiraum. Persönliches Geld für Hobbys oder Geschenke an den Partner sollte ohne Rechtfertigung ausgegeben werden dürfen.
Fehler 8: Den günstigeren Partner vernachlässigen
Wenn einer weniger verdient oder zu Hause bleibt (z.B. für Kinder), sollte er trotzdem eigene Rentenansprüche aufbauen. Sorgt füreinander vor.
Fazit: Gemeinsam finanziell stark in die Zukunft
Finanzplanung für frisch Verheiratete ist kein notwendiges Übel – es ist eine Chance. Die Chance, als Team zusammenzuwachsen. Die Chance, gemeinsame Träume zu verwirklichen. Die Chance, euch gegenseitig Sicherheit zu geben.
Erinnert euch an die wichtigsten Punkte:
- Redet offen über Geld – Kommunikation ist die Basis
- Macht Bestandsaufnahme – Wisst, wo ihr steht
- Findet euer Kontomodell – Gemeinsam, getrennt oder hybrid
- Budgetiert – Gebt eurem Geld eine Aufgabe
- Baut Schulden ab – Befreit euch von der Last
- Schafft einen Notgroschen – Für ruhigen Schlaf
- Spart für Träume – Gemeinsame Ziele verbinden
- Nutzt Steuervorteile – Die Ehe bringt finanzielle Pluspunkte
- Versichert euch richtig – Schutz für das, was wichtig ist
- Denkt an morgen – Altersvorsorge beginnt heute
Eure finanzielle Zukunft beginnt jetzt – und ihr gestaltet sie gemeinsam.
Wenn ihr noch auf der Suche nach der perfekten Begleitung für eure Trauung wart oder den Schritt in die Ehe noch vor euch habt – ich bin für euch da. Als freie Rednerin und Sängerin gestalte ich Zeremonien, die eure Liebe feiern und in Erinnerung bleiben.
Meldet euch gerne:
- Telefon: 01724505229
- E-Mail: info@silke-otte.de
- Website: www.silke-otte.de
Worte und Musik für’s Leben – eure Silke Otte
Häufig gestellte Fragen
Sollten Ehepaare ein gemeinsames Konto haben?
Es gibt keine richtige Antwort für alle. Viele Paare fahren gut mit dem Drei-Konten-Modell: ein Gemeinschaftskonto für gemeinsame Ausgaben plus je ein eigenes Konto für persönliche Ausgaben. Dieses Modell bietet eine gute Balance aus Gemeinschaft und persönlicher Freiheit.
Wie viel sollte man als Ehepaar sparen?
Eine bewährte Faustregel ist die 50-30-20-Regel: 50% für Fixkosten, 30% für Lifestyle und 20% zum Sparen und für Schuldenabbau. Passt die Verteilung an eure individuelle Situation an. Wichtig ist, dass ihr regelmäßig etwas zurücklegt – auch wenn es anfangs nur wenig ist.
Welche Steuerklasse sollten frisch Verheiratete wählen?
Bei ähnlichem Einkommen ist die Kombination IV/IV sinnvoll. Verdient einer deutlich mehr, kann III/V oder IV/IV mit Faktor günstiger sein. Die endgültige Steuerlast wird durch die Steuererklärung bestimmt – die Steuerklasse beeinflusst nur die monatliche Abgabe.
Wie viel Notgroschen sollte ein Ehepaar haben?
Empfohlen werden 3-6 Monatsausgaben als Notgroschen. Bei 3.000 € monatlichen Ausgaben wären das 9.000-18.000 €. Fangt mit einem ersten Ziel von 1.000 € an und baut den Notgroschen schrittweise auf.
Wie können frisch Verheiratete Schulden schneller abbauen?
Priorisiert Schulden nach Zinssatz (Dispo und Kreditkarten zuerst), zahlt mehr als die Mindestrate, nutzt Sondertilgungen und leitet zusätzliches Einkommen (Boni, Steuerrückerstattungen) direkt in die Tilgung. Als Paar könnt ihr euch gegenseitig motivieren und unterstützen.
Welche Versicherungen brauchen frisch Verheiratete wirklich?
Unverzichtbar sind: Privathaftpflicht (ein gemeinsamer Vertrag reicht), Berufsunfähigkeitsversicherung für beide Partner und Krankenversicherung. Empfehlenswert sind außerdem Hausratversicherung und bei Kindern oder Immobilienkredit eine Risikolebensversicherung.
Wann sollten frisch Verheiratete mit der Altersvorsorge beginnen?
So früh wie möglich! Der Zinseszins-Effekt macht aus kleinen Beträgen über Jahrzehnte große Summen. Schon 100-200 € monatlich in einen ETF-Sparplan können bei 30 Jahren Laufzeit über 100.000 € ergeben. Nutzt auch betriebliche Altersvorsorge, wenn euer Arbeitgeber diese anbietet.
Wie viel Eigenkapital braucht man für ein Haus?
Empfohlen werden mindestens 20% des Kaufpreises plus Nebenkosten (ca. 10-15%). Bei einem Haus für 300.000 € solltet ihr also etwa 95.000 € mitbringen. Weniger Eigenkapital ist möglich, führt aber zu höheren Zinsen und größerem Risiko.
Sollten beide Partner gleich viel ins Gemeinschaftskonto einzahlen?
Bei unterschiedlichem Einkommen ist eine prozentuale Aufteilung fairer als 50/50. Wenn einer 4.000 € verdient und der andere 2.000 €, könnte der Besserverdienende 60% und der andere 40% der gemeinsamen Kosten tragen. So bleibt beiden ein ähnlicher Anteil für persönliche Ausgaben.
Wie bereitet man sich finanziell auf Kinder vor?
Stockt den Notgroschen auf mindestens 6 Monatsausgaben auf, baut bestehende Schulden ab und informiert euch über Elterngeld. Prüft auch, ob ein Steuerklassenwechsel vor der Schwangerschaft das Elterngeld erhöhen kann. Fangt an, monatlich etwas für die Erstausstattung und zukünftige Kinderkosten zurückzulegen.